Oktober 19, 2018

Rohstoffe im Umfeld steigender Zinsen

Die FED hält an ihrem Programm der schrittweisen Zinserhöhung fest. Was bedeutet das für die Edel- und Technologiemetalle?

Steigende Zinsen sind schlecht für Gold. Da Gold keine Zinsen abwirft, wird es als Investment zunehmend uninteressant.
Das ist die langläufige Meinung zu diesem Szenario. Aber stimmt diese Behauptung wirklich?

Wir meinen: Das Thema ist deutlich komplexer!

Die Welt hat sich massiv in den letzten Jahren verschuldet. Unternehmen wie Staaten und viele auch in einer für sie Fremdwährung, den US Dollar. Der niedrige Zins war Anreiz, aber wenn diese Zinsen nun steigen, bringt das die Unternehmen in Schwierigkeiten. Seit Jahren erleben wir ein weltweites Wachstum, begleitet durch eine unterdurchschnittliche Anzahl an Firmeninsolvenzen, bedingt durch den niedrigen Zins. Viele Unternehmen würde es gar nicht mehr geben, wenn auf geliehenes Kapital ein risikoausgleichender Zins fällig werden würde.

Nebeneffekt der durch die FED angestoßene Zinserhöhung ist, dass viel Kapital in die USA zurückfließt – der Dollar steigt.

Für Unternehmen außerhalb der USA hat das unangenehme Folgen:

  1. Das Unternehmen wird durch höhere Zinssätze belastet, was die Gewinne schmälert.
  2. Die Abwertung der Landeswährung im Verhältnis zum Dollar kommt als Belastung für die Unternehmen addierend hinzu. Verdienen sie doch in der Regel in der Landeswährung ihr Geld. Zins und Tilgung werden aber in Dollar valutiert.

Auch für die Unternehmen innerhalb der USA ergeben sich Nachteile. Ein stärkerer Dollar belastet ihre Exportfähigkeit. Kein Wunder also, dass der amerikanische Präsident verbal auf die FED einschlägt.

Aber was hat das nun mit den Edelmetallen zu tun?

Die Zinsentwicklung hat bereits spürbar Einfluss auf die weltweiten Aktienkurse. Sie sinken.
Der Markt erwartet ein Absinken der Firmengewinne, eine zunehmende Welle von Firmeninsolvenzen, ja sogar von Staatspleiten. Und hier kommen die Edelmetallpreise ins Spiel: Es gibt eine signifikante Korrelation zwischen der Anzahl der Insolvenzen und dem Goldpreis. Steigt die Anzahl der Insolvenzen, steigt der Goldpreis und andersherum.

Dieser Zusammenhang ist insofern einleuchtend, da bei einer Verschuldungskrise unverschuldetes Gut nachgefragt wird.

© Thomson Financial

Die nebenstehende Grafik belegt diese These. Allerdings wird hier nicht die Anzahl der Insolvenzen als Maßstab genommen, sondern die Kosten für die Kreditausfallversicherungen, die einhergehen mit den Zahlungsausfällen.

Einige Analysten sagen einen deutlichen Anstieg des Goldpreises voraus. Der oben beschriebenen Logik folgend, würden stark ansteigende Insolvenzen diesem Anstieg vorausgehen. Vielleicht sogar auf Ebene der Staaten. Einige Nationen fallen uns sofort ein: Argentinien, Venezuela, Türkei, Iran, Italien und sogar Brasilien.

Nun weiß die FED auch, dass ihr Spielraum bei Zinsanhebungen nach oben hin begrenzt ist, um die Welt nicht in ein Chaos zu stürzen. Die EZB bleibt daher auch bei ihrer Nullzinspolitik. Diese verhindert zwar weiterhin auskömmliche Margen für die europäischen Banken, allerdings würden höhere Zinsen in Europa die Banken durch steigende Kreditausfälle ebenso belasten. Es bleibt komplex!

Höhere Zinsen kann die verschuldete Welt kaum schultern. Steigen die Zinsen deutlich, steigen die Edelmetallpreise.

Und unsere Technologiemetalle?

Kaum eine Branche ist so verschuldet und so gebeutelt wie die der Minenunternehmen.
Höhere Zinsen bedeuten höhere Kosten. Wer wird diese Kosten tragen? Auch bei einer schweren Rezession sollte die Nachfrage eigentlich robust bleiben, kommt sie doch aus den wichtigsten Megatrends unserer Zeit. Sollten die höheren Kosten aber nicht an den Verbraucher weitergegeben werden können, werden so einige Produzenten nicht überleben und sich gleich vorne in die Insolvenzreihe einordnen. Das wäre dann wohl die letzte Marktbereinigung in diesem Sektor. Teile der Angebotsseite würden die Segel streichen müssen. Spätestens dann sollten die Preise gewaltig an Fahrt aufnehmen.

Uns ereilte auch folgende Meldung zum Thema Technologiemetalle:

„Die Industrie fragt nun erstmals Liefergarantien für sehr lange Zeiträume (bis zu 30 Monate) nach und ist bereit, dafür Aufschläge zu bezahlen.“

Hier vermuten wir, dass die Sorge bezüglich eines eskalierenden Handelskrieges mit China, mittlerweile sehr ernst genommen und die Versorgungssicherheit mit Technologiemetallen nicht mehr als Selbstverständlichkeit hingenommen wird.

Derzeit befinden sich die Preise aber noch in äußerst ruhigem Fahrwasser und glänzen durch geringe Volatilität – ganz im Gegensatz zu anderen Märkten.